Archiv für August, 2011
Spiele faszinieren den Menschen von jeher. Dass diese Leidenschaft bald auch auf den Computer übersprang, kann deshalb kaum verwundern. Schon eher, dass Spielen als uralte kulturelle Praxis bei deutschen Wissenschaftlern kaum Anklang fand. „Das muss sich ändern“, dachte sich Rolf Nohr, und so gründete der heutige Juniorprofessor für Medienkultur im Jahr 2000 die Arbeitsgemeinschaft Computer Games der damaligen Gesellschaft für Film- und Fernsehwissenschaft (DGFF).
Mit der typisch medienwissenschaftlichen Perspektive stießen er und seine wenigen Mitstreiter allerdings bald auf eine Grenze: die Interaktion mit der Maschine unterscheidet sich deutlich von Buch, Funk oder Film, wo das Medium erzählt und das Publikum passiv rezipiert. Es folgte der obligatorische Methodenstreit.
Während das eine Lager davon ausging, dass auch das Computerspiel im Wesentlichen eine Geschichte präsentiert, ging die Gegenseite von der strikten Unterscheidung zwischen der Erzählung auf der einen und dem Spielhandeln auf der anderen Seite aus. „Wenn Sie sich Kinder ansehen, dann spielen sie nicht, wenn sie erzählen. Und wenn sie spielen, erzählen sie nicht, sondern sind ganz und gar in das Spiel vertieft“, erläutert Nohr. Der Streit der Spielwissenschaftler, martialisch Ludo-logic War getauft, wurde schließlich salomonisch beigelegt: Man einigte sich auf ein Sowohl-als-auch.
Auch bestimmt längst nicht mehr der Krieg die Kulisse beliebter Strategiespiele. Spielerische Episoden finden sich dagegen bei fast jedem Managementseminar, und auch die Verkaufsschlager unter den Computerspielen drehen sich heute um Besitz, Geld und unternehmerische Qualitäten. „Die Wirtschaft ist der Ort, wo heute Entscheidungswissen gebraucht wird“, kommentiert Nohr. Bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stützt sich die mathematische Spieltheorie auf die Annahme, dass die Regeln traditioneller Gesellschaftsspiele wie Schach, Dame,das asiatische Go oder, Casino Riva Angebote gute Modelle für das Handeln beispielsweise von Marktteilnehmern oder Heeresführern sind. Insofern unterrichten Spiele tatsächlich das Leben.
Gleichzeitig erzählt die Story, die die spielerische Lernumgebung zusammenhält, viel über den Zeitgeist. Nicht nur pädagogisch wertvolles Wissen und Können, sondern auch die herrschende Sicht der Dinge bestimmt den Lehrplan. Inklusive ihrer wenig schmeichelhaften Seiten wie Materialismus, Egoismus und dem Recht des Reicheren findet sie mit spielerischer Leichtigkeit – und von Kritikern weitgehend unbeachtet – den Weg in die Jugendzimmer. Die Einteilung in gefährliche Gewalt- und „gute“ Strategiespiele ist so einfach also nicht. Das Spiel besitzt immer auch einen ideologiekritischen Zug. „Dem Spielenden kann man nicht befehlen!“ sagt Nohr und weiß sich in illustrer Gesellschaft mit der Erinnerung, Monopoly mal als Inkarnation des Manchester-Kapitalismus und mal als Fest der fröhlichen Gelddrucker und Hotelbauer gespielt zu haben.
Quasi „von innen heraus“ versuchen einige Wissenschaftler, dem Spiel sein letztes Rätsel zu entlocken. Unter dem Namen „stealth learning“ – zu Deutsch: getarntes Lernen – überprüfen sie Spielregeln darauf, wie gut diese sich während des Spiels selbst erklären. Damit bleibt jedoch immer noch unklar, was die entsprechenden Regeln mit dem Spieler machen. Sicher sein, dass die gewünschte Lernbotschaft ankommt oder wie sich eine Spielgruppe letztlich ihr „Paralleluniversum“ zusammendenkt, können sich selbst die wohlmeinendsten Eltern
Was für Pädagogen ernüchternd klingt, erfüllt für das Phänomen Spiel einen wichtigen Zweck. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene fühlen sich angezogen von der einfachen, übersichtlichen Parallelwelt, die die Spielregeln entstehen lassen, und finden darin eine (ent-)spannende Alternative zum oft unüberschaubaren Alltag. Online-Trends wie Casino Mansion , Crazy Slots Kasino oder auch World of Warcraft ermöglichen es den Spielern, in einem anderen als dem gewohnten Rahmen zu handeln. Ihre wahre Magie schöpfen alle Spiele jedoch daraus, dass die an sich feststehenden Regeln eines nicht sind: unumstößlich. Welche Bedeutung dieser Tatsache zukommt, zeigt sich laut Nohr quer über alle Epochen und Kulturgrenzen: „Der Regelbrecher wird toleriert oder gar bewundert, der Spielverderber jedoch in jedem Fall verachtet.“ Die Spielgedanken sind frei – und müssen es bleiben!
